Hallo Geralf, ich habe ein paar Fragen:
1. Der Punk-Lifestyle in der DDR war von staatlicher Unterdrückung geprägt. Was waren die größten Probleme?
Wenn man in der DDR anders aussah, wurde man automatisch zum Feindbild und war Repressionen ausgesetzt. Das haben alle Subkulturen der DDR durchlebt, weil man seine Zugehörigkeit zu einer Subkultur auch immer äußerlich zeigt und damit nicht dem Bild der gewünschten sozialistischen Idealpersönlichkeit entsprach.
Als die ersten Punks in der DDR auftauchten, steigerte sich dieser ungewollte Kampf zwischen Jugendlichen und der Diktatur innerhalb kürzester Zeit ins unermessliche. Zuerst nur Ausweiskontrollen, Zuführungen und auch ein paar Verhaftungen die mit Gefängnisstrafen endeten. Mitte 1983 erklärte Erich Mielke der Chef eines der gefürchtetsten Geheimdienste der Welt „Punk“ zu seinem Hauptfeind. Er erließ den Befehl „Härte gegen Punk“. Daraufhin waren alle Punks ungewollt offiziell Staatsfeinde. Dabei gab es in der DDR nicht viele Punks. Damals waren fast alle Punks pubertierende Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahre und die meisten waren auch noch nicht DDR-feindlich eingestellt.
Punks waren nach dem „Härte gegen Punk“ Befehl vogelfrei. Fast jede Sichtung durch Staatsorgane endete nun mit einer Zuführung auf eine Polizeiwache. Dort gab es oft auch körperliche Übergriffe. Alle öffentlichen Räume wurde für Punks verboten. Gaststätte, Jugendclubs, Discos, Rock-Konzerte, Kinos, Innenstädte etc. durften als Punk nicht mehr betreten werden. Ein Paragraf regelte das bei Sichtung durch Staatsorgane eine Ordnungsstrafe bis zu 500 Mark (60 – 80 Mark war in der DDR z.B. der Lohn in der Lehre im Monat damals) ausgesprochen werden konnte. Und das auch mehrmals pro Tag. Viele Punks wurden verhaftet, in Gefängnisse gesperrt und in Jugendwerkhöfe (gefängnisähnliche Spezialheime) eingewiesen. Viele Bands wurden zersetzt. Die Stasi legte über jeden eine Akte an und überwachte jeden einzelnen. Vielen Punks wurden die Ausweise entzogen und durch den Ersatzausweis PM12 ersetzt. Mit diesem war man quasi rechtlos. Es gab auch Zwangsumsiedlungen von Punks die von Städten in Dörfer umziehen mußten.
Punk-Frauen erlebten dazu noch geschlechtsspezifische Repressionen. Bei Schwangerschaft oder nach Geburt wurde fast allen angedroht das Kind wegzunehmen. Frauen wurden oft zur Disziplinierung in sogenannte „Tripperburgen“ eingewiesen und dort brutal misshandelt.
Das sind nur einige Beispiele.
Um zu verstehen wie brutal das System gegen Punks vorging, hier ein Bericht von Conny Steiner, einer Punk-Frau aus Ost-Berlin:
„Bei Verhaftungen hatte ich oft Angst, weil ich nicht wusste,
was die mit mir machen würden. Ob ich überhaupt wieder
gehen darf. Man war denen ja komplett ausgeliefert. Zum
Glück fanden die nichts Richtiges gegen mich und
hatten somit keinen Ansatz, mich einzusperren oder zu
erpressen, bei denen als IM mitzuarbeiten. Das Abi hatten
die mir schon versaut. Man durfte in der DDR nicht zur
erweiterten Oberschule gehen, wenn man eine
„Staatsfeindliche“ Haltung hatte...
...Aber insgeheim hatte ich doch immer etwas Angst. Das
habe ich natürlich nie gezeigt, sondern nach außen hin
immer die große Fresse gehabt. Dafür wurde ich aber
wirklich oftmals schlimm traktiert. Ich würde das schon als
Folter bezeichnen. Wie ich manchmal aussah ... gebrochene
Finger ... Blutergüsse... blutige Nase ... sogar mal eine
gebrochene Rippe ... Da will ich gar nicht mehr dran
denken…
...Am 10. Dezember 1986 wurde ich dann mit 17 Jahren doch
inhaftiert. Wie immer Polizeikontrolle mit grundloser
Gewalt. Zitrone und ich wurden während einer sogenannten
„Ausweiskontrolle“ sofort angegriffen, beschimpft und
getreten. Dann hat’s mir irgendwie gereicht und ich habe
mich gewehrt und wohl dem einen „Volkspolizisten“ eine
zurück verpasst. Als die Verstärkung kam, wurde es richtig
schlimm…
Mit Knebelketten wurden wir sehr schmerzlich
„gefügig“ gemacht. Im Revier wurde ich an eine Heizung
gekettet. Mit Händen und Füßen! Jeder „Bulle“ durfte nun
mal ordentlich zutreten und mich nach Herzenslust mit
diversen Schimpfwörtern betiteln.
Irgendwann war ich bewusstlos.
Dann dreieinhalb Wochen Einzelhaft ohne Freigang, damit
niemand meine Verletzungen sehen konnte. Insgesamt ein
Monat U-Haft Keibelstrasse Berlin, dann ein Monat U-Haft Bauhofstraße Potsdam und fünf Monate Knast in
Hohenleuben bei Gera. Entlassung 9. Juli 1987. Verurteilt
wurde ich wegen angeblichen Widerstands gegen die
Staatsgewalt, staatsfeindlicher Hetze, Beleidigung…
...Meine schlimmste Erfahrung war die Gewalt seitens
der Polizei in der Keibelstraße. Schläge während der
Vernehmungen – und wenn keine Antworten auf die Fragen
kamen oder Antworten, die sie nicht hören wollten, musste
ich in den „Steher“. Das war eine Zelle mit Neonlicht. Da
musste man auf einem bestimmten Punkt stehen. Barfuß!
Es war Winter und sehr kalt dort. Man durfte nicht sitzen
oder umfallen, sonst kam einer mit dem Knüppel rein…
Das ging über Stunden. Einige Male bin ich vor
Erschöpfung umgefallen und dann gab’s richtig was auf
den Deckel!
Das war meine schlimmste Erfahrung!...
…aber, was soll ich sagen…ich hab’s überlebt!!!“
Trotz dieser erlebten Repressionen würden ich und alle meine Wegbegleiter von damals den selben Weg wieder gehen. Punk zu sein war die beste Entscheidung die ich damals getroffen habe. Es war der einzige Weg, so zu leben wie wir leben wollten. Ein Weg um etwas Freiheit in dem riesigen Gefängnis DDR zu erkämpfen.
2. Das System – Schulen und Polizei – unterdrückte jegliche Anzeichen von Nonkonformität.
Wie hast du es geschafft, diesen Stacheldraht zu durchbrechen?
Wenn man jung ist, fühlt man sich unbesiegbar. Und wir waren damals alle sehr jung. Ich sah in den Stasi-Leuten die mich immer und immer wieder mitnahmen und verhörten nicht die Gefahr die sie für mich darstellten. Klar, ich wusste das sind welche von der Staatssicherheit. Aber in erster Linie waren das für mich damals nervige alte Männer in hässlichen Klamotten. Die sagten immer wieder ich solle mein Outfit ändern weil ich so Scheiße aussehen würde. Dabei sahen die doch Scheiße aus. Wir dagegen sahen cool aus. Wir waren die Coolen! Diese alten Männer waren für mich die waren Looser! Ich habe nicht begriffen was die eigentlich wollten und die Gefahr nicht gesehen. Jetzt weiß ich aus meinen Stasiakten, dass waren ausgebildete Verhör-Offiziere eines entsetzlichen und brutalen Geheimdienstes die darauf geschult waren Aussagen zu erpressen und Menschen zu zerstören. Das habe ich damals nicht erkannt. Das war sicherlich auch ein Generationskonflikt.
3. Du warst Teil der Szene in Halle. Welche Möglichkeiten gab es, eine Punkband zu gründen? Wie sahen die Proberäume und die Möglichkeiten zum Aufnehmen von Demotapes aus?
In Halle (Saale) gab es eine sehr aktive Punk-Szene. Die meisten Punk-Bands unserer Stadt probten im Keller der Christus-Kirche. KVD., Müllstation, Erledigt, Die Rote Zora und einige andere. Es gab auch Bands die sich in Künstlerkreisen gründeten und bewegten. Größenwahn, Die letzten Recken oder Die Ambulanten Musikanten auf dem Weg ins Hospital. Soweit ich weiß haben diese Bands in privaten Räumen geprobt.
Die Demotaps wurden oft einfach mit dem Kassenttenrecorder aufgenommen. Einfach losgespielt und auf die Aufnahmetaste gedrückt. In der Christuskirche konnten mache Bands auch bei unserem Pfarrer aufnehmen.
4. Konzerte fanden in Kirchgärten und Kirchen statt. Waren einige Mitglieder der Punk-Szene gläubig, oder war es einfach die Bereitschaft der Kirche, den Verfolgten zu helfen?
Mitte 1983 erließ Erich Mielke, der Chef des gefürchteten Geheimdienstes der DDR der Staatssicherheit, den Befehl „Härte gegen Punk“. Mit diesem Befehl wurde faktisch alles was mit Punk zu tun hatte in der DDR verboten.
Punkkonzerte waren im öffentlichen Raum schon vorher nicht möglich.
Aber nach dem „Härte gegen Punk“- Befehl waren Punk-Konzerte grundsätzlich nur noch im Schutz der evangelischen Kirche umzusetzen.
Diesen Schutzraum gab uns aber nicht die gesamte evangelische Kirche. Es waren einzelne widerständige Pfarrer und Jugend-Diagone die den Punks die Türen zur Kirche öffneten. Der Staat, die Volkspolizei und die Staatssicherheit durften in den Kirchen nicht aktiv werden. Es war wie eine Art Kirchenasyl.
Wir hatten in Halle (Saale) das Glück einen besonderen widerständigen Pfarrer zu haben, der die Punks unterstützte. Siegfried "Siggi" Neher
https://www.havemann-gesellschaft.de/aktuelles/in-memoriam/siegfried-siggi-neher/ Er gab uns diesen Schutzraum. Die Christuskirche in Halle (Saale) war fast ein Autonomes Jugendzentrum. Im Keller probten Punk-Bands. In der ersten Etage hatten die Punks ein selbstverwaltetes Caffe welches einen wichtigen Treffpunkt der gesamten DDR-Punk-Szene darstellte. Vor dem Altar der Kirche fanden Punk-Konzerte statt. Und einmal im Jahr gab es eine Punk-Werkstatt. Das war ein Punkfestival bei der jedes Jahr viele Punk-Bands wie Wutanfall, Namenlos, Schleimkeim, Restbestand, Betonromatik, L’Attentat, Paranoia, Planlos, Küchenspione, Re-Aktion und viele viele andere spielten. Auch das erste DDR-weite Punk-Festival fand am 30.04.1983 in der Hallenser Christus-Kirche statt. Ohne den Schutzraum Kirche hatte sich die Punk-Szene in der DDR nie so entwickeln können.
Dana, eine Freundin von mir und Musikerin in der einzigen All-Girl-Punk-Band der DDR Die Rote Zora sagt rückblickend über die Christuskirche: „Die Christusgemeinde war das Zuhause für uns Punks. Mein Bild ist ehrlich gesagt, dass das so etwas wie ein Rattenloch war. Wenn sie das aufgemacht hätten, wo hätten wir hinlaufen sollen? Die hätten uns einfach erschlagen.“
5. Wie viel Druck übte die Stasi auf die Punkbewegung aus? Ich weiß, dass zum Beispiel einige Mitglieder von L'ATTENTAT dem Druck nachgaben und kooperierten.
Es wurde massiv Druck auf Punks in der DDR ausgeübt als Spitzel für die Staatssicherheit zu arbeiten und ihre Freunde zu verraten. Ich selber wurde zwei mal von der Stasi entführt. Einmal in einen Wald. Ein anders Mal in ein Abrisshaus. Dort versuchte man mich mit allen Mitteln dazu zu bringen eine IM-Verpflichtung zu unterschreiben. Es wurde mit jahrelangen Gefängnis, Gewalt und selbst der Beseitigung meiner Person (also Ermordung) gedroht. Ich habe nicht unterschrieben. Als Spitzel meine Freunde zu verraten, war das widerlichste was ich mir vorstellen konnte. NIEMALS!!!
Nach dem Mauerfall wurde leider bekannt, dass es Punks gab, die solch eine IM-Spitzel-Verpflichtung unterschrieben haben. Das ist nach wie vor eine offene Wunde in der DDR-Punk-Szene. Der bekanntest und wohl unbegreiflichste Fall ist tatsächlich die Spitzeltätigkeit von Imad, einem Bandmitglied von Wutanfall und L’Attentat. Insbesondere weil Imad der allerletzte war von dem man das vermutet hatte. Er war immer in der ersten Reihe, hielt flammende anarchistische Reden und hat viele Punk-Konzerte mit organisiert hat.
6. Woher hattest du die Aufnahmen von Bands, Demotapes usw.? Hattest du Kontakt zum Westen jenseits der Mauer? Sammelst du Aufnahmen? Welche Aufnahme in deiner Sammlung ist deiner Meinung nach die interessanteste?
Die Demotapes der DDR-Punk-Band wurden oft bei den Punk-Werkstätten in den Kirchen verschenkt oder billig verkauft. Musik aus dem Westen haben wir aus dem West-Radio, welches wir in Halle empfangen konnten, mitgeschnitten. Punk-LPs haben oft die Omas (die durften in den Westen fahren) in die DDR geschmuggelt. Manche LPs habe ich damals in Ungarn gekauft, z.B. im Hunky Punky-Schallplatten-Laden. Zu Punks im Westen hatte ich fast keinen Kontakt. Meine Demotapes habe ich vor einiger Zeit meinen Kindern geschenkt. Die interessanteste Aufnahme die ich hatte, war ein Mitschnitt des Punk-Festival 1983 in der Christuskirche. Diese Aufnahme habe ich bei meiner Ausreise in die BRD in der DDR gelassen und leider ist das Tonband verschollen. Aber ich habe noch alle Aufnahmen von KVD.
7. Erkläre bitte den Begriff „Kirche von unten“. Könntest du ihre Aktivitäten beschreiben? Wie kam es, dass die Kirche so offen für nonkonformistische Punks wurde?
Die „Kirche von Unten“ gründete sich etwa 1986. Die KvU wollte die Kirche dazu bringen, mehr politische Verantwortung zu übernehmen. Die evangelische Kirche sollte dazu bewegt werden offen politische Forderungen zu stellen und kritische Positionen gegenüber der DDR-Diktatur einzunehmen. Es gab zwei Kirchentage von Unten. Einen 1987 in Ost-Berlin. Den zweiten 1988 in der Christuskirche in Halle (Saale). Dort spielten auch viele Punk-Bands. Die KvU hat auch viele andere Konzerte organisiert und war ein fester Bestandteil der DDR-Opposition.
8. Beim AlösA-Frühlingsfest in der Erlöserkirche in Berlin im April 1988 spielten auch Bands aus der Tschechoslowakei: O.P.M., ŠANOV und DO ŘADY! Wie kamen sie mit der lokalen Szene in der DDR in Kontakt? Warst du bei dem Festival?
Natürlich war ich auch da. Ich denke fast alle DDR-Punks waren beim AlösA-Frühlingsfest 1988. Mit etwa 2800 Besuchern war das die größte Punk-Veranstaltung die es in der DDR je gab. Ich habe aber nicht mit organisiert und weiß nicht wie die Kontakte zu den Bands aus der Tschechoslowakei entstanden sind. Aber es gab immer Kontakte zwischen DDR-Punks und Punks aus der Tschechoslowakei, aus Polen und aus Ungarn. 1987 war ich z.B. in Pilzen als dort Die Toten Hosen gespielt haben. Das Konzert wurde ja leider von der Tschechoslowakischen Polizei zusammen genüppelt. Die Punks aus Pilzen haben für uns 30 Punks, die es aus der DDR über die Grenze zum Konzert geschafft haben, Schlafplätze organisiert. Der Zusammenhalt der Punks im Ostblock war großartig.
9. Ich habe Alexander Pehlman mehrmals auf Fanzine-Konferenzen in Prag getroffen. Kennt ihr euch? Arbeitet ihr zusammen? Eine meiner wichtigsten Informationsquellen über DDR-Punk ist der Blog TAPE ATTACK. Arbeitet ihr zusammen? Ich erinnere mich übrigens auch an das Label Tape Utopia, das ebenfalls die ehemalige DDR-Szene fördert. Stehst du mit ihnen in Kontakt?
Ich kenne Alexander Pehlman. Sein Buch Warschauer Punk Pakt ist großartig. Aber wir arbeiten nicht zusammen. Er arbeitet die DDR-Punk-Geschichte eher wissenschaftlich und auf musikalischer Ebene auf. Ich dagegen lege den Focus mehr auf Zeitzeugenarbeit. Als Teil der damaligen Punk-Bewegung und auf Grund meiner eigenen Geschichte ist mir der Blick auf die Rebellion der DDR-Punk-Szene und die Repressionen des Staates gegen uns am wichtigsten.
10. Welche Literatur würdest du allen empfehlen, die sich für die Punk-Szene in der DDR interessieren?
Tim Mohr „Stirb nicht im Warteraum der Zukunft. Die ostdeutschen Punks und der Fall der Mauer“
Ray Schneider, Connie Mareth „Haare auf Krawall: Jugendsubkultur in Leipzig 1980 - 1991“
Christiane Eisler „WUTANFALL. Punk in der DDR 1982-1989: Die Protagonisten damals und heute“
Henryk Gericke, Michael Boehlke „Too much future. Punk in der DDR“
Anne Hahn & Frank Willmann „Satan kannst Du mir nochmal verzeihen, Otze Ehrlich, Schleimkeim und der ganze Rest“
Jakob „Schrammel“ Geisler „Schreie von unten - Songtexte von Punkbands aus der DDR 1979 – 1989“
und natürlich meine beiden Bücher zum Thema:
Geralf Pochop „Untergrund war Strategie. Punk in der DDR: Zwischen Rebellion und Repression“
Geralf Pochop „Tanz auf dem Vulkan. Widerständige Punk-Frauen in der DDR“
11. Wenn du zehn essentielle DDR-Punk-Aufnahmen auswählen müsstest, welche wären das?
1. L’Attentat „Ohne Sinn“
2. Namenlos „Nazis wieder in Ost-Berlin“
3. Wutanfall „Leipzig in Trümmern“
4. Schleimkeim „Untergrund und Anarchie“
5. Planlos „Überall wohin man schaut“
6. KVD „Gorbatschow“
7. Schleimkeim „Spitzel“
8. L’Attentat „Friedensstaat“
9. Namenlos „MfS-SS“
10. DDR Terrorstaat „DDR Terrorstaat“
12. Was ist deine persönliche Geschichte als Punk in der DDR?
Ich bin 1964 in Halle(Saale) geboren und und dort auch aufgewachsen.
1982 besetzte ich zusammen mit Freunden eine große Wohnung. Diese fungierte als Treffpunkt subkultureller Jugendlicher. Damals hatte ich Kontakte zur kirchlichen Subkultur und zur Ostpunkszene. Im selben Jahr erlebte ich erstmals die Brutalität der Staatsorgane gegenüber Andersdenkenden am eigenen Körper.
Mein erstes Punkkonzert erlebte ich 1982 in der Lutherkirche in Halle (Saale). Dort spielte Wutanfall und Größenwahn.
1983 besuchte ich das erste DDR-weite Punk-Festival in der Christuskirche in Halle (Saale). Im selben Jahr beteiligte mich an einer Demonstrationen der unabhängigen DDR Friedensbewegung und landete in den Verhörzellen des berüchtigten „Roten Ochsen“, dem Gefängnis der Staatssicherheit in Halle (Saale).
In den folgenden Jahren führte ich ein Leben als Ostpunk abseits des DDR-Alltags, beteiligte mich der Organisation von Untergrund-Punkkonzerten, reiste häufig nach Ungarn und erlebte die dortige Subkultur hautnah.
1984 wurde mir Berufsverbot erteilt. Ich entschloss mich den Wehrdienst total zu verweigern.
1986/1987 wurde ich mehrfach von der Stasi entführt und massiv unter Druck gesetzt eine IM-Verpflichtung zu unterschreiben. Ich unterschrieb nicht!
Am 7. Oktober 1987, dem 38. Geburtstag der DDR, wurde ich verhaftet und zu sechs Monaten politischer Haft verurteilt. Nach meiner Haftentlassung schrieb ich einige Artikel für die Untergrundzeitung mOAning star, unterzeichnete etliche Protesterklärungen und half weiterhin bei der Organisation und Umsetzung subkultureller Musikveranstaltungen in der halleschen Christusgemeinde und bei der Organisation des 2. Kirchentags von Unten.
Im Mai 1989 wurde ich im Zuge der Stasi-Aktion „Nelke 89“ und „Symbol 89“ in die BRD abgeschoben. Im August 1989 verhalf ich meiner Freundin zur Flucht in die BRD. Den Mauerfall am 9.11.1989 erlebte ich in Berlin-Kreuzberg.
www.untergrund-war-strategie.de
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